Schulden vermeiden - aber wie?

altSchuldnerberatung: kein Thema für Sechzehnjährige? Weit gefehlt! Der Sozialpädagoge Wolfgang Hunner von der Schuldner- und Insolvenzberatung beim AWO-Kreisverband Roth-Schwabach wusste bei seinem Vortrag in der Mittelschule Heideck Erschreckendes zu berichten. Auf Einladung der Klassenleiterin Anne Klier war er in die neunte Klasse gekommen, um den AWT-Unterricht (Arbeit – Wirtschaft – Technik) durch Beispiele aus seiner Alltagspraxis zu ergänzen. Vor allem die Prävention war ihm ein Anliegen, da Schuldner nach seinen Aussagen immer jünger werden.

Er berichtete von einer 19-jährigen Frau, die Rat suchte, weil sie mit ihrem Handy zwölftausend Euro Schulden angehäuft hatte. Ein gleichaltriges Pärchen sah sich Forderungen von 50 Firmen gegenüber. Allerdings sind es meistens ältere Erwachsene, die bei den Beratungsstellen in Roth oder Schwabach Rat und Hilfe suchen. So wie etwa Wolfgang Hunners erster „Kunde", ein obdachlos gewordener Mann, der damals die letzten fünf Nächte auf einer Parkbank geschlafen hatte.

Früher, so Hunner, habe man vorher das Geld für eine Anschaffung zusammengespart und dann erst gekauft. Heute wird oft über Kredite finanziert: „Null Anzahlung, bequeme Monatsraten, ...", jeder kennt diese Werbesprüche, wobei man sich die Frage stellen sollte, ob man in zwei Jahren noch das Geld für die Raten aufbringen kann. Auch Kreditkarten würden zu sorglosem Einkauf verleiten. Wenn aber alles nichts mehr hilft, gibt es seit 1999 als letzte Möglichkeit das „Verbraucherinsolvenzverfahren", bei dem nach einem Plan eine Entschuldung ermöglicht werden kann.

Genaue Informationen solle man einholen, bevor man bei einer Bank ein Konto eröffnet. Nicht immer sind zunächst günstige Konditionen auch auf Dauer die besten. Habenzinsen, Sollzinsen, eventuelle Gebühren beim Geldabheben und die Serviceleistungen gilt es zu prüfen. Mit Karte zu bezahlen, wenn das Konto nicht gedeckt ist, ist Betrug. Kontoauszüge, so empfiehlt Hunner, sollte man regelmäßig überprüfen und mindestens zehn Jahre lang aufheben!

Seit den sechziger Jahren gibt es Privatgirokonten und damit den bargeldlosen Zahlungsverkehr auch für Privatkunden. Zuvor wurde beispielsweise der Lohn in den sogenannten Lohntüten in bar ausbezahlt. Doppelt und dreifach sollte man die Angaben auf einer Überweisung überprüfen, denn ein Widerruf ist nicht einfach. Sicherer seien Bezahlungen per Lastschrift, denn da gilt ein sechswöchiges Recht auf Widerruf. Bargeldzahlung, soweit möglich, sei immer noch die übersichtlichste Art.alt

Nachdenkliche Gesichter gab es bei einem offensichtlich „ungestellt" gedrehten Videofilm. Er stellte die Folgen unüberlegten Einkaufens von Sonderangeboten einem überlegten Einkaufen gegenüber. Kaufen auf Pump ist allemal schlecht. Bei bargeldloser Zahlung geht die Übersicht schnell verloren. Zwei Jugendliche schildern ihre finanziellen Verhältnisse. Für ein Auto hatte Martin einen Kredit mit hohen Zinsen aufgenommen. Dann musste er unbedingt eine Verstärkeranlage für achttausend Euro einbauen. Als er dann seinen Arbeitsplatz verloren hatte, dauerte es nicht mehr lange, bis der Gerichtsvollzieher vor der Türe stand. Monique hatte oft auf Raten gekauft, sich dann von ihrem Partner getrennt und eine neue Wohnung bezogen. Sie wurde schwanger und verlor zu allem Pech auch noch den Arbeitsplatz. Insgesamt 12 Gläubiger forderten von ihr 14 000 Euro. Ein Insolvenzverfahren wurde eingeleitet.

Die Notwendigkeit grundlegender Informationen und möglichst zuverlässiger Beratung wurde als unerlässliche Voraussetzungen immer wieder genannt, um ähnliche Schicksale zu vermeiden.

Text und Bilder: Manfred Klier