HeideckLehrer 4

Zu einer Nachmittagsveranstaltung für das Lehrerkollegium, zu der auch ehemalige Lehrkräfte gekommen waren, hatte Martina Wirsing, die Leiterin der Grund- und Mittelschule Heideck, eingeladen. Eine Kappel- und Museumsführung, sowie eine Wanderung zum Schlossberg waren auf dem Programm gestanden. Aber wegen des  Regens musste die Wanderung ausfallen.
            Trotzdem war der Nachmittag, von Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß informativ und interessant gestaltet, ein voller Erfolg. Die neu in Heideck tätigen Lehrkräfte wurden umfassend über die Stadt informiert, auch für die anderen war es eine willkommene Bereicherung ihres geschichtlichen Wissens.
            Auf einem historischen Stadtplan von 1820 und mithilfe einer Ansichtskarte von 1905 erläuterte Eva Schultheiß die ehemalige Ansicht des Marktplatzes. Die Stadtpfarrkirche war 1910/11 erweitert worden. Bei Grabungsarbeiten im Jahre 2000 hatte man Fundamente des alten Rathauses gefunden, aber auch viele Gebeine aus dem einst hier gelegenen Friedhof. Dem Ehepaar Eva und Georg Schultheiß ist es zu verdanken, dass diese Gebeine geborgen und auf dem jetzigen Friedhof würdig beigesetzt wurden.
            Tiefer in die Stadtgeschichte ging es anschließend in den Räumen der Heimatkundlichen Sammlung. Steinzeitliche Funde lassen auf eine Besiedlung ab fünftausend vor Christus schließen. Aber auch die Kelten haben ihre Spuren hinterlassen. Davon zeugt die sogenannte Keltenschanze bei Laibstadt, eigentlich ein von einem Wall umgebener Gutshof.
            Der Name Heideck wird erstmals zusammen mit Hadebrand von Heideck erwähnt, der aus Erlingshofen im Anlautertal stammt. In Altenheideck wurde eine erste Burg errichtet, später aber eine zweite auf dem Schlossberg, der dadurch seinen Namen erhielt. Allerdings hatten die einstigen Bewohner die Burg später  „besenrein“ hinterlassen. Deshalb wurden keine Relikte mehr gefunden. Die Steine wurden zu Bauzwecken verwendet, sodass auch davon nur noch ein kümmerlicher Rest erhalten geblieben ist. Lediglich der Burggraben lässt die imposanten Ausmaße des Bauwerks erahnen. 1278 wird die Stadt Heideck zu Füßen des Schlossbergs erstmals erwähnt.
            Das „Haus Nummer 1“aus dem Jahre 1421 , neben der Heidecker Frauenkirche, auch Kappel genannt, ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Wegen der damals schwülwarmen Witterung hatte man es mit Kasein und Ruß gestrichen, um die Mücken abzuhalten. Damals war auch der Weinanbau in Heideck weitverbreitet. Ein Stadtbereich mit Namen „Am Weinberg“ erinnert daran.
            Das mächtige spätgotische  Rathaus wurde anstelle eines Vorgängerbaus und einer Zehentscheune von 1479 bis 1481 von Ludwig IX. von Bayern-Landshut errichtet. Verkaufsstände, Feuerwehr und Schulzimmer waren dort schon untergebracht. Heute befinden sich an diesem Ort die Stadtverwaltung und die Heimatkundliche Sammlung. Das Schmuckstück des Bürgersaals ist das sogenannte Lüsterweibchen, ein Kronleuchter aus dem Jahre 1587.
         Ehemals hatte es in Heideck sieben Brauereien gegeben, die in der Brauhausgasse angesiedelt waren. Ihr Bier schenkten sie vor den jeweiligen Bierkellern rund um die Stadt aus. Das Eis zum Kühlen wurde aus dem Wäschweiher gebrochen.
            1419, also vor über 600 Jahren,  wurde die Kirche „Unsere Liebe Frau", auch „Kapell" oder „Kappel" genannt, von Friedrich II. von Heideck erbaut und diente bis 1475 als Grablege des Heidecker Adelsgeschlechts. An den 1423 verstorbenen Erbauer erinnert sein Epitaph am Chorbogen. Wohl die stattliche Größe von 1,80 Meter soll er aufgewiesen haben und rund 80 Jahre alt geworden sein. Zusammen mit seinem Hund ist er unter dem Chorraum bestattet. Böse Zungen behaupten deshalb, in Heideck sei der Hund begraben. An seinem Epitaph sind die Stadtfarben Rot-Weiß-Blau und der Kopf eines Straußenvogels auszumachen. Ursprünglich waren die Farben einmal Rot-Silber-Blau gewesen. Dem Vogel Strauß hatte man als Zeichen seiner Stärke nachgesagt, er könne Eisen beißen. Deshalb hält er ein Hufeisen in seinem Schnabel. Und deshalb ziert auch ein mächtiger Straußenvogel den Kreisverkehr der Stadt. Einzigartig in der Region sind die Wandfresken aus dem 15. Jahrhundert, die erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und freigelegt wurden. In einer Art Armenbibel sind der heilige Georg, die Anbetung der drei Weisen, das Weltgericht, die Diözesanheiligen Willibald, Wunibald und Walburga, der heilige Christophorus und viele andere dargestellt. Der Anblick des heiligen Christophorus sollte im strenggläubigen Mittelalter vor einem „unversehenen“ Tod bewahren, also vor einem plötzlichen Tod ohne die Sterbesakramente. Den neugotischen Hauptaltar ziert eine geschnitzte spätgotische Madonna mit Kind, umgeben von Halbreliefs der heiligen Barbara und der heiligen Katharina.  Barbara ist die Schutzheilige der Bergleute. Vielleicht ein Hinweis auf die Bergwerksstollen bei Laibstadt. Daneben ist das Epitaph der 1475 verstorbenen Sibylla von Heideck zu sehen. Das sogenannte „Hopfenfassloch“ auf dem Dachboden der Kappel erinnert daran, dass die Kirche auch ein Herz für die kleinen Hopfenbauern hatte, die auf den beiden Dachböden ihren Hopfen trocknen konnten. 
            Nach so viel Wissensvermittlung fand der Nachmittag seinen Ausklang bei Kaffee und Kuchen.

Manfred Klier